zurück zur Übersicht | Datum 16.03.2013 | Kategorie: Allgemeines

Ehrenamtliches Engagement lohnt sich – Dorferneuerung ist auch wirtschaftlich ein Erfolg

Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß mahnte, die Jugend an der Dorferneuerung zu beteiligen.
Ortsbürgermeisterin Ingrid Müller berichtete über ihre Erfahrungen mit der Dorferneuerung in Kirchlinteln. Weiter von links: Astrid Vieth und Christiane Dettmer vom Planungsbüro IPW.

Autor: Aloys Landwehr, Lastrup

Einig waren sich die drei Referenten beim Thementag zur Dorferneuerung in Lastrup: Dorferneuerung lohnt sich wirtschaftlich und ideell. Sowohl Ortsbürgermeisterin Ingrid Müller aus Schafwinkel (Gemeinde Kirchlinteln) als auch Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß und Linderns Verwaltungschef Rainer Rauch waren sich einig, dass eine Dorferneuerung für das Wir–Gefühl eines Ortes wichtig ist, aber auch eine Wertschöpfung, einen wirtschaftlich messbaren Gewinn bringt. Alle drei Referenten ermutigten die Gemeinde und die Verantwortlichen der Dorferneuerung, für die Ziele zu werben, die Bürger zu beteiligen und sich von Kritikern nicht beirren zu lassen. Leider waren zum Thementag im Rahmen des Modellprojektes „Dorferneuerung Lastrup“ nur etwa 30 Interessierte ins Landhaus Lastrup gekommen, um sich mit den Erfahrungen von drei Repräsentanten anderer Kommunen zum Thema: „Bürgerengagement – lohnt sich das?“ zu beschäftigen.

„Ohne das Engagement der Bürger läuft nichts – aber ohne eine engagierte Verwaltung und einen von der Sache überzeugten Gemeinderat auch nicht,“ wusste Ingrid Müller, Ortsbürgermeisterin in Schafwinkel, Gemeinde Kirchlinteln und dort auch Ratsmitglied. Seit  21 Jahren begleitet sie die Dorferneuerung in den 17 Orten der Gemeinde im Landkreis Verden. An exemplarischen Beispielen schilderte sie die Verwirklichung einzelner Projekte vom Landschaftspark oder dem Heimathaus über eine Behinderteneinrichtung oder eine Heilpflanzenschule bis zum Tourismusbüro und der privaten Schaffung vieler Ferienwohnungen. Aus 2.000.000 Euro Fördermitteln entstand eine Wertschöpfung von rund 10.000.000 Euro. „Es sind Arbeitsplätze entstanden und junge Familien finden die Orte wieder attraktiv. Meine Erfahrungen: Es lohnt sich, mit Geduld und langem Atem eine Dorferneuerung anzugehen. Es sind ausnahmslos nette Menschen, die sich engagieren. Denn alle wollen etwas bewegen. Kritiker sind in der Regel keine Nörgler, sondern kämpfen um optimale Lösungen“, ermutigte Müller die Lastruper Verantwortlichen.

Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß bezeichnete die Dorferneuerung „als hervorragende Gelegenheit, den Ort weiterzuentwickeln“. Er riet, viel mit Menschen zu reden, mit den Bürgern Ideen zu entwickeln und immer als Motto zu bedenken: Gemeinwohl steht über Einzelinteressen. „Keiner weiß so viel wie alle zusammen, und gemeinsam sind wir stark“, war Groß überzeugt. Auch er berichtete von der Verwirklichung verschiedener Projekte in der Dorferneuerung Westerloy. Hier seien ein Dorfladen, eine Turnhalle, ein Kindergarten, die Erweiterung der Grundschule oder der Bau eines Radweges mit dem ehrenamtlichen Engagement der Bürger geschaffen worden. „Wir haben viel mit Fragebögen gearbeitet, um immer wieder die Meinung der Bürger einzuholen und die Bürger mitzunehmen“, berichtete Groß. Man müsse heute Reichtum anders definieren. Reichtum sei heute mehr denn je definiert durch Gesundheit, genügend Arbeitsplätze, Perspektiven für die Jugend. Deshalb müsse nicht in erster Linie in Beton, sondern in Menschen investiert werden. Gerade auch die älteren Menschen hätten große Kompetenzen und häufig auch Zeit. Dieses müsste ein Ort gerade in dieser Zeit des demographischen Wandels stärker nutzen in Bürgerbüros, als Familienpaten, als Sozialpaten, als Integrationslotsen  oder als Partner für Menschen mit Behinderungen. Ganz wichtig sei es auch, die jungen Menschen anzusprechen, sich bei der Dorferneuerung zu beteiligen. „Sie haben nicht nur gute Ideen, es ist auch ihre Zukunft, die wir planen“, mahnte Groß.

Auch Linderns Bürgermeister Rainer Rauch berichtete von den Erfahrungen und von der Schaffung einzelner Projekte im Rahmen der gerade Ende 2012 abgeschlossenen Dorferneuerung in Liener/Auen- Holthaus. In den Zielsetzungen habe man Wert gelegt auf eine aktivierende, frühzeitige und intensive Bürgerbeteiligung und einen transparenten Planungsablauf. Wichtiges Ziel sei immer die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Idee der Dorferneuerung und die nachhaltige Entwicklung der Dörfer unter Beibehaltung ihrer Identität gewesen. Vor Beginn der Maßnahmen sei die Erstellung einer Stärken-Schwächen-Bilanz nötig. Rauch warnte aber auch davor, zu glauben, Dorferneuerung „sei eine Harmonieveranstaltung. Man muss auch mal Missstände ansprechen dürfen.“ Doch die Dorferneuerung habe sich gelohnt. Mit 760.000 Euro Zuschuss sei ein Antragsvolumen von 3.000.000 Euro geschaffen worden. Dabei sei durch viele sonstige auch  private Maßnahmen das Investitionsvolumen noch deutlich höher. „Dorferneuerung ist ein tolles Wirtschaftsförderprogramm und finanziert sich selbst“, bilanzierte Rauch, der mit vorher-/nachher-Aufnahmen demonstrierte, was in den Orten geschaffen worden sei. „Dorferneuerung aber schafft auch eine Motivation für ehrenamtliches Engagement. Sie ist eine einmalige Chance, einen Ort für die nächsten 25 Jahre zu gestalten. Jede Gemeinde, jede Dorferneuerung hat ihre Eigenarten. Auch Lastrup muss den eigenen Weg finden“, riet Rauch.

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