zurück zur Übersicht | Datum 27.08.2012 | Kategorie: Allgemeines

„Weg der kleinen Schritte“ in Benin

Eine Delegation aus dem Kreis Cloppenburg machte sich selbst ein Bild von den Verhältnissen im afrikanischen Benin. Die Eindrücke wirken noch immer nach.

Autor: Hermann Huge, Münsterländische Tageszeitung (MT)

Bereits vor einem Jahr erörterten MdL Clemens Große Macke und Lastrups Bürgermeister Michael Kramer mit dem Botschafter von Benin die Möglichkeit einer Schulpartnerschaft mit einer Einrichtung in dem westafrikanischen Land. Jetzt machten die Lastruper den ersten Schritt.  Bei einem einwöchigen Besuch in dem Land überreichte Kramer den Vertretern einer Schule im Arrondissement Glazoue in Zentralbenin ein Notebook und eine Webcam.

Rund 3.370 Schüler werden in Glazoue unterrichtet – mehr als dreimal soviel wie in der künftigen Lastruper Oberschule. Einen Schüleraustausch, wie mit anderen Ländern, werde es wohl nicht geben, räumte Kramer ein. Aber die Lastruper bauen auf einen regen Kontakt übers Internet. Die notwendigen Sprachkenntnisse (Französisch bzw. Deutsch) sollen die Kinder im Unterricht erwerben.

Ob sich die Hoffnung der Lastruper erfüllt, hängt von den Verantwortlichen in dem westafrikanischen Land ab. „Sie müssen den nächsten Schritt machen“, so Kramer, der bereits auf  eine weitere Hilfestellung hinweist. Ausrangierte Schulbücher könnten nach Glazoue geschickt und dort als Unterrichtsmaterialien genutzt werden, denn dort haben die Schüler „gerade mal ein Dach über dem Kopf“.

Begleitet wurden Große Macke und Kramer bei ihrem Benin-Besuch von Reinhold Kurre von der Kreishandwerkerschaft und Cloppenburgs stellvertretender Landrätin Marlies Hukelmann.  Sie sahen ein Land mit einer kaum funktionierenden Infrastruktur, extremer Armut bei rund einem Drittel der insgesamt circa neun Millionen Einwohner, einer hohen Analphabetenrate und einer Landwirtschaft, die zwar Baumwolle exportiert, aber so gut wie keine Veredlung kennt „Das hat uns schon unheimlich berührt“, so Clemens Große Macke. 

„Handwerk, wie bei uns, ist dort mehr oder weniger unbekannt“, berichtet Reinhold Kurre. „Das Leben spielt sich entlang der Straße ab“, haben alle vier hautnah erlebt. Dort werde auch geschmuggeltes Benzin aus Nigeria in 1-Liter-Behältern verkauft, „und gleich nebenan spielen kleine Kinder“ – ungeachtet der Explosionsgefahr.

Landwirtschaftliche Produkte werden „just in time“ veräußert. Eine Lagerung oder gar Veredlung der Produkte gibt es kaum. Große Macke: „Was geerntet wird, wird sofort verkauft oder weggeworfen.“ Doch der CDU-Landtagsabgeordnete und seine Begleiter warnen davor, mit Millionen-Beträgen große Hilfsprojekte zu initiieren. „Es kann nur über den Weg der kleinen Schritte gehen“, sind sie sich sicher.  

Allerdings mit Einschränkungen. Dem Land dürfe nichts übergestülpt werden, „sie müssen es selbst wollen“, stellt Clemens Große Macke klar. Und bei den „kleinen Schritten“ muss die Reihenfolge eingehalten werden: erst die Bildung, dann der Beruf und danach die Entwicklung der jeweiligen Region.

Dass das klappen kann, haben die Gäste aus dem Kreis Cloppenburg unter anderem an den Aktivitäten der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung gesehen. Diese führt junge Menschen in eigener Werkstatt an unterschiedliche Berufe heran. Selbst nutzte die Reisegruppe „unheimlich viele Kontakte“, zum Beispiel zur Deutschen Botschaft, zur Konrad-Adenauer-Stiftung, zu Beniner Regierungskreisen, zu örtlichen Politikern und zu Gruppen wie den Rotariern, um sich ein Bild von den Problemen und Möglichkeiten vor Ort zu machen. Und sie stießen dabei auf große Gastfreundlichkeit in einem Land, das aus ihrer Sicht zu den „etwas gefestigteren Demokratien in Afrika“ zählt.

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