zurück zur Übersicht | Datum 06.08.2015 | Kategorie: Allgemeines

Bürgermeister will Megamasten verhindern - Kramer plädiert für Erdverkabelung der Stromleitungen

Quelle/Copyright: Münsterländische Tageszeitung, Artikel vom 06.08.2015

Von Matthias Ellmann

Lastrup. Die Schnittmenge ist klar umrissen: Der Strom, den die Windkrafträder an der Nordseeküste produzieren, muss in den Süden der Republik gelangen. Darüber sind sich alle Beteiligten einig. Über das wie gibt es aber, landauf, landab, erhebliche Meinungsunterschiede zwischen dem Netzbetreiber Tennet und den Kommunen, die von den für die Weiterleitung erforderlichen Stromtrassen betroffen sind - und vielmehr wären.

Denn die Informationspolitik des Netzbetreibers, meint Las­trups Bürgermeister Michael Kramer, sei eher undurchsichtig, ebenso wie die möglichen Trassenführungen. „Einen offenen und ehrlichen Umgang stelle ich mir anders vor“, sagt Kramer, der ebenso wie die Bürgermeister der anderen - möglicherweise - betroffenen Landkreis-Kommunen jetzt vom Netzbetreiber im Kreishaus unterrichtet wurde.

Demnach könnte die Stromtrasse zwischen Hemmelte und Suhle hindurch führen, wenn wie geplant, ab 2022 vom friesischen Conneforde aus eine große Stromleitung zu einem neuen Umspannwerk bei Cloppenburg führt und dann weiter nach Merzen im Landkreis Osnabrück. Im September soll das Raumordnungsverfahren beginnen. „Wer jetzt nicht aufpasst, für den sieht es möglicherweise schlecht aus“, meint Lastrups Bürgermeister. Bis zu 80 Meter hoch sollen die Überlandmasten werden.

Man wolle das Problem nicht verlagern, meint Kramer, aber: „Warum hält Tennet an Cloppenburg als Fixpunkt für das Umspannwerk fest? Eine echte Variantenbetrachtung und -abwägung fehlt mir da. Es wäre sicherlich auch eine andere Trassenführung ohne Cloppenburg möglich. Das Ganze erscheint mir etwas überhastet, um den sehr ambitionierten Zeitplan einhalten zu können“. Einer Trassenführung über das Gemeindegebiet, die mit der Landwirtschaft und der Bevölkerung nicht in Einklang gebracht werden könne, werde die Gemeinde nicht zustimmen. „Wir werden Mittel und Wege finden, eine solche Trasse zu verhindern“, betont der Lastruper Bürgermeister.

Allein die für das Umspannwerk von Tennet geforderte Fläche von 20 bis 30 Hektar entspreche der Vernichtung eines landwirtschaftlichen Betriebes. Eine Realisierung der Stromtrasse mit Überlandleitungen würde zudem die ohnehin knappen Flächen in Südoldenburg noch weiter beschneiden. Kramer plädiert daher dafür, auf die „gigantischen Erdmasten“ zu verzichten und die Kabel durch das Erdreich zu führen. „Vor 20, 25 Jahren haben wir riesige Anstrengungen unternommen, um die Kabel unter die Erde zu kriegen. Und jetzt sollen wieder Überlandleitungen errichtet werden? Das passt nicht zusammen“. Und das Argument, eine Erdverkabelung sei erheblich teurer, hält Kramer für „nicht nachvollziehbar“ angesichts der benötigten großen Masten und einem späteren, höheren Wartungaufwand und einer größeren Störanfälligkeit. Kramer plädiert daher dafür, die Kabel entlang der A1 unterirdisch zu verlegen. „Diese Trasse ist ohnehin da, und da stört sie niemanden“.

Und während Tennet verspricht, den Kontakt mit den Gemeinde-Vertretern fortzusetzen und für Oktober alle Interessierten außerdem zu Bürger-Informationsmärkten einladen möchte, befürchtet Michael Kramer, der Netzbetreiber wolle im „Hau-Ruck-Verfahren die Trasse irgendwie hier durchbiegen. Aber das ist keine Planung“. Solange Tennet keine Bereitschaft erkennen lasse, umfassend zu informieren und Hand in Hand mit den betroffenen Kommunen zu arbeiten, habe er den Eindruck, „dass uns hier etwas übergestülpt werden soll“. Das aber werde die Gemeinde versuchen zu verhindern.

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