zurück zur Übersicht | Datum 21.10.2017 | Kategorie: Rund um den Ort

Kreßmann und Kramer stellen Fuß in die Tür

Ernste Mienen: Heiner Kreßmann (links) und Michael Kramer vor der Donnerstagausgabe der MT, in der der von den Netzbetreibern ausgewählte Vorzugskorridor für die Starkstromtrasse von Conneforde nach Merzen exakt dargestellt ist. In weiten Teilen laufen die Stromleitungen durch die Gemeinden Essen und Lastrup. Doch das muss noch nicht das letzte Wort sein, betonen die beiden Bürgermeister. Foto: mel

Quelle/Copyright: Münsterländische Tageszeitung, Artikel vom 21.10.2017

von Matthias Ellmann

Lastrup/Essen. Die Bürgermeister der Gemeinden Lastrup und Essen, Michael Kramer und Heiner Kreßmann, wollen die Kriterien, nach denen die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Amprion eine Starkstromtrasse durch den südlichen Landkreis Cloppenburg legen wollen, rechtlich überprüfen lassen. Zudem kündigen die Verwaltungschefs weitere Eingaben an, in denen sie erneut auf Widerstände innerhalb der vorgesehenen Trasse hinweisen wollen. Die jetzt von den Netzbetreibern vorgestellte Vorzugsvariante führt in weiten Teilen durch die beiden Gemeinden.

„Die Netzbetreiber haben zwar in sämtlichen Belangen argumentiert, die berücksichtigt wurden und auch berücksichtigt werden müssen, aber wie die Prüfkriterien festgelegt wurden, ist nicht klar“, sagt Lastrups Bürgermeister Michael Kramer. So führt die Trasse beispielsweise durch das Naturschutzgebiet Hemmelter Moor. Wieso so etwas möglich ist, leuchtet Kramer nicht ein, ebenso wenig wie die Tatsache, dass für die Netzbetreiber eine Waldfläche erst ab einer Größe von 20 Hektar Berücksichtigung findet. Das niedersächsische Waldgesetz sieht etwas anderes vor. „Für uns wären das K.o.-Kriterien, wenn wir dort etwas planen wollten.“

Auch für Essens Heiner Kreßmann ist vieles nicht nachvollziehbar in der Begründung der Netzbetreiber. So sei zum Beispiel das Gewerbegebiet Niedersachsenpark im Kreis Vechta ein Ausschlusskriterium für die Trassenführung entlang der A1 gewesen, das Essener Gewerbegebiet Sandloh aber nicht, ebenso wenig wie ein sieben Hektar großes Biotop an der Hase, über das die Stromleitungen hinwegführen sollen. „Es wird jetzt unsere Aufgabe sein, dem nachzugehen. Jetzt wissen wir, wo die Trasse entlangführen soll. Wir möchten genaue Auskünfte bekommen“, betont Kreßmann.

Die Bauleitplanung obliege den Kommunen. Diese seien aber in die Trassenfindung nicht mit eingebunden worden. So hätten die Netzbetreiber nicht einmal nachgefragt, welche Planungen die Gemeinden in bestimmten Gebieten beabsichtigen. Die Stromtrasse behindere oder verhindere gar oftmals Entwicklungen beispielsweise von Bau- oder Gewerbegebieten, und das langfristig. „Die Strommasten und Leitungen werden uns ja nicht nur jetzt für einen kurzen Zeitraum, sondern über Jahrzehnte begleiten“.

Nach den Planungen in den Rathäusern habe sich jedoch niemend erkundigt. „Einen Dialog auf Augenhöhe stelle ich mir anders vor. Das ist sehr unbefriedigend“, ärgert sich Kreßmann. Man werde den Abwägungsprozess gemeinsam mit dem Landkreis sehr genau überprüfen, es seien noch viele Fragen offen.

Auch der frühzeitig festgelegte Standort für das Umspannwerk bei Nutteln sei nicht nachvollziehabar. Dadurch seien die Weichen schon in bestimmte Richtungen gestellt worden. Man gewinne den Eindruck, dass dort die Grundstücksverhandlungen schon geführt worden seien. Ebenso wenig nachvollziehbar sei die Entscheidung für eine Freilufttrasse. Die sei zwar preiswerter zu erstellen, ziehe aber höhere Folgekosten nach sich als eine Erdverkabelung. Die sei aber nur auf einem Bruchteil der Strecke vorgesehen. „Anders als in Bayern übrigens, wo die Kabel ausschließlich unter der Erde verlegt werden sollen“, schüttelt Kreßmann den Kopf.

Den Vorwurf, bisher zu wenig unternommen zu haben, weisen die Verwaltungschefs von sich. „Wir haben Einwendungen gemacht, auf Widerstände hingewiesen. Aber jetzt fängt die Arbeit erst richtig an“, erklären die Bürgermeister. Man nehme die Ängste und Bedenken der Bürger sehr ernst, aber „wilde Gesten und Populismus helfen nicht weiter“, sagt Kreßmann, der betont, er habe im Vorfeld keine der beiden durch Essen möglichen Starkstromtrassen bevorzugt.

Man müsse sich auf dem Boden des Rechts bewegen und werde nun alle Parameter überprüfen, die zur Entscheidung für den derzeit bevorzugten Trassenverlauf geführt hätten. „Wir müssen jetzt den Fuß in die Tür stellen“, mahnen die Bürgermeister und binden auch die betroffenen Bürger mit ein. Diese sollten Einwendungen einreichen und die Verwaltung über besondere Gegebenheiten vor Ort informieren, die in den Rathäusern möglicherweise noch nicht bekannt seien. „Wir leiten die fristgerecht vorgebrachten Äußerungen an die Landesplanungsbehörde weiter und stehen auch sonst mit Rat und Tat zur Seite“, betonen Kramer und Kreßmann.

Wenn sich dann am Ende nach Prüfung alle Kriterien ein Trassenverlauf transparent herauskristallisiert habe, müsse man die Entscheidung akzeptieren. Denn die Stromleitung, ob über- oder unterirdisch, sei nun einmal erforderlich.

Fakten:

  • Die Netzbetreiber Tennet und Amprion laden am Dienstag, 24. Oktober, von 14 bis 19 Uhr zu einem sogenannten „Informationsmarkt“ in den Saal Kellermann in Essen ein. Interessierte können den Infomarkt jederzeit besuchen, da die Netzbetreiber den Dialog in persönlichen Gesprächen mit ihnen führen möchten. Anhand aktueller Karten soll dort der favorisierte Trassenkorridor zwischen dem Raum Cloppenburg und dem Raum Merzen vorgestellt werden.
  • Auch über den Ablauf und die Beteiligungsmöglichkeiten des anstehenden Raumordnungsverfahrens wollen die Netzbetreiber informieren.
  • Weitere Informationsmärkte sind Mittwoch, 25. Oktober, von 15 bis 20 Uhr im Artlandkotten, Bremer Straße 112, 49610 Quakenbrück, geplant und am Donnerstag, 26. Oktober, von 15 bis 20 Uhr Hotel Hilker, Bramscher Straße 58, 49593 Bersenbrück.
  • Die Pläne liegen vom 26. Oktober bis 27. November auch in den Rathäusern aus.
  • Die Einspruchsfrist endet am 11. Dezember.

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