zurück zur Übersicht | Datum 16.02.2019 | Kategorie: Allgemeines

Kramer fordert Schnellgericht für Bagatellfälle

Sachbeschädigung: Sprayer hinterlassen ihre Botschaften immer wieder im Ort. Eine Belohnung ist ausgesetzt. Foto: Meyer

Quelle/Copyright: Münsterländische Tageszeitung, Artikel vom 16.02.2019

Von Georg Meyer

Lastrup. Günter Bäker ist genervt. Sechs Zahlen haben Unbekannte an eine Seitenbande des Street-Soccer-Platzes gesprayt. Der Hausmeister der Oberschule muss sie jetzt wieder weg machen. „Ich hoffe, das klappt auch“, sagt Bäker grimmig. Er ist den Ärger bereits gewohnt.

Was die Zahlen bedeuten sollen, wissen wohl nur Eingeweihte. Auch an anderen Stellen im Ort finden sich immer wieder ähnliche Zeichen. Bürgermeister Michael Kramer vermutet,dass es sich um Hinweise handelt, wo und zu welcher Uhrzeit Drogendealer anzutreffen sind. Ganz sicher ist das aber nicht, denn die Urheber bleiben in der Regel unsichtbar. An sie heranzukommen, ist für die Polizei besonders schwer, dafür wäre sie auf Zeugenaussagen angewiesen. Doch die Jugendlichen, die Michael Kramer bei seinen Rundgängen im Ort antrifft, geben sich häufig verstockt. Der Bürgermeister möchte das ändern. „Jeder kann sich bei mir, der Leiterin des Jugendtreffs, Sonja Vornhagen, oder auch dem Jugendbürgermeister, Rico Jakoby, melden. Die Hinweise bleiben selbstverständlich vertraulich.“ Erst, wenn er einen konkreten Namen hat, kann Kramer auch einen Platzverweis erteilen. Er hat dies bereits getan. „Die Betroffenen finden das überhaupt nicht gut.“

Die Anonymität der Zeugen endet allerdings spätestens dann, wenn es zu einem Verfahren kommt. Dann erhält der Anwalt des Verdächtigen Einsicht in die Akten und findet darin auch den Namen des Hinweisgebers. Nicht selten kommt es anschließend vor, dass der Zeuge seine Aussage vor Gericht widerruft. „Er hat dann offenbar zuvor Besuch bekommen und wurde unter Druck gesetzt“, sagt Kramer. „Dass er Jugendliche derart ins offene Messer laufen lässt, ist eine der schlimmen Seiten unseres Rechtsstaats“, kritisiert der Verwaltungschef und fordert einen besseren Zeugenschutz. Straftäter hätten häufig nichts zu fürchten, auch weil viele Delikte unter die Bagatellgrenze fallen. Im vergangenen Sommer etwa hatte es einen Einbruchsversuch im Jugendtreff gegeben. „Die Polizei suchte nicht einmal nach Fingerabdrücken, weil der Aufwand zu hoch war“, erinnert sich Kramer. „Die Täter standen wahrscheinlich hinter einem Gebüsch und lachten sich kaputt.“

Michael Kramer möchte das gern ändern und schlägt daher die Einrichtung von „Schnellgerichten“ vor. Ganz so brachial, wie es klingt, meint es der Bürgermeister aber nicht. „Ich will ja niemanden ins Gefängnis bringen, aber wenn es uns gelänge, die Gerichte von Bagatellverfahren zu entlasten, wäre das ein Fortschritt.“ Seine Idee: Ehrenamtliche könnten solche Fälle vor Ort unter professioneller Anleitung eines Amtsrichters verhandeln. Und zwar zügig. Das Problem: Unser Rechtssystem sieht eine solche Möglichkeit nicht vor. Michael Kramer hält sie aber für umsetzbar. „Wenn Jugendliche sehen, dass etwas passiert, spricht sich das rum und hat Wirkung“, ist er überzeugt.

Die aktuellen Schmierereien an der Oberschule dürften allerdings noch von keinem Schnellrichter abgeurteilt werden. Zeugen fehlen bislang, die Chancen stehen also mal wieder schlecht. Die Gemeinde bittet daher um Hinweise und hat eine Belohnung
von 500 Euro ausgesetzt.

Ausbildungsplatzbroschüre 2019

Die Oberschule Lastrup hat in Zusammenarbeit mit dem HGV Lastrup sowie der Gemeinde Lastrup eine Ausbildungsplatzbroschüre herausgegeben. Hier finden Sie die Broschüre als PDF-Download.

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