zurück zur Übersicht | Datum 13.08.2019 | Kategorie: Allgemeines

„Hier wird eine Riesenchance vertan“

Quelle/Copyright: Münsterländische Tageszeitung, Artikel vom 13.08.2019

von Georg Meyer

Timmerlage. Mit dem Auto an die Ladesäule fahren, einen Kaffee trinken und nach nur acht Minuten voll aufgeladen weiterfahren: Das Angebot, das die neue Doppeltankstelle an der B 213 Besitzern von Elektrofahrzeugen machen wollte, klingt ziemlich gut. Der Haken daran: Bis auf Weiteres wird daraus nichts, denn für den Aufbau der Ladesäulen erhält die Betreiberfirma keine öffentlichen Fördermittel.

Acht Schnelllader – vier auf jeder Seite – sollten eigentlich aufgestellt werden. Jeder Ladepunkt würde über 150 Kilowatt (kw) verfügen und damit die „Druckbetankung“ möglich machen. Im Lastruper Rathaus war man begeistert. „Das ist ein echtes Leuchtturmprojekt“, jubelte Bürgermeister Michael Kramer. Eine Lademöglichkeit an einer viel befahrenen Bundesstraße erscheint ihm nur logisch, falls der Ausbau der E-Mobilität wirklich Fortschritte machen soll. Die Gemeinde wollte mithelfen und ließ von Lastrup aus ein 1000-Kilowatt-Starkstromkabel zur Tankstelle verlegen. Das Kabel liegt jetzt ungenutzt herum. Kramer ist enttäuscht. „Hier wird gerade eine Riesenchance vertan.“

Die Anschaffung der Schnelllader ist nicht billig. 780000 Euro (netto) müsste die Firma Jäger investieren. Der Bund unterstützt die Errichtung von Ladeinfrastruktur inzwischen. Knapp 30 Prozent der Summe hatte der Investor als Förderung beantragt. Die Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen lehnte den Antrag zwar nicht ab, teilte dem Unternehmen aber mit, dass sein Vorhaben nicht berücksichtigt werden könne. Die Vergabe der Fördermittel unterliege der Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Projekts. Und da liegt Timmerlage im Ranking aus Sicht der Bundesanstalt offenbar zu weit hinten.

Michael Kramer kann das nicht verstehen. „Wir haben hier in Lastrup ein großes und vor allem zukunftweisendes Projekt und es darf und kann nicht sein, dass innovative Investitionen nicht berücksichtigt werden, nur weil Lastrup als Gebiet mit geringem Potenzial eingestuft ist.“ Geringes Potenzial? Kramer sieht das gänzlich anders und verweist auf die Verkehrsprognosen für die in einigen Jahren autobahnähnlich ausgebaute Europastraße. Die sollten sich die Entscheider lieber noch einmal ansehen. „Ich bin mir sicher, dass sie dann zu einer anderen Einschätzung kommen.“

Der Bürgermeister sieht neben dem Bund auch das Land gefordert. Doch aus Hannover ist wohl keine Hilfe zu erwarten. Wo der Bund fördere, lege das Land in der Regel keine konkurrierende Förderungen auf, erklärt eine Pressesprecherin aus dem Landesumweltministerium auf Nachfrage.

In Berlin ist das Problem durchaus angekommen. „Ohne flächendeckendes Netz an E-Ladestationen werden wir auch bei der Elektromobilität nicht weiter vorankommen“, sagt Bundestagsabgeordnete Silvia Breher (CDU). „Wer kauft sich denn schon ein E-Fahrzeug, wenn er ständig fürchten muss, liegenzubleiben?“ Tankstellen wie in Timmerlage, die auf den Aufbau einer entsprechenden Ladeinfrastruktur setzen, müssen daher unbedingt unterstützt werden, fordert die Löningerin.

Im konkreten Fall kann sie aber auch nur vertrösten. Leider habe der Tankstellenbetreiber noch keinen Förderzuschlag erhalten, da die Förderquote in Lastrup bisher äußerst gering ausfiel und laut Bundesverkehrsministerium andere Antragsteller im selben Gebiet wirtschaftlicher ausbauen konnten. Zudem erhalten im aktuellen Förderaufruf Verkehrsströme des Fernstraßennetzes eine geringere Gewichtung. Breher: „Das Ministerium hat mir aber bereits versichert, weitere Aufrufe zur Förderung insbesondere von Schnellladepunkten auf den Weg bringen zu wollen.“

Michael Kramer hofft, dass es das Ministerium ernst meint. „Wenn kleine Ladepunkte in den Dörfern mit deutlich weniger Leistung bevorzugt gefördert werden, unseres hier aber weiterhin leer ausgeht, dann stimmt etwas nicht“. Lademöglichkeiten gehörten an die zentralen Schnellstraßen, Fernreisende dürften nicht gezwungen sein, stundenlang in der Eisdiele zu warten, bis das Auto wieder flott ist. „Ansonsten wird niemand umsteigen“, ist sich Kramer sicher.

Ausbildungsplatzbroschüre 2019

Die Oberschule Lastrup hat in Zusammenarbeit mit dem HGV Lastrup sowie der Gemeinde Lastrup eine Ausbildungsplatzbroschüre herausgegeben. Hier finden Sie die Broschüre als PDF-Download.

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